Periodenarmut auch in Deutschland Realität
In einer repräsentativen Befragung von Plan International Deutschland gaben 23 % der befragten Frauen an, dass die monatlichen Ausgaben für Menstruationsprodukte für sie eine finanzielle Belastung darstellen. Bei den 16- bis 24-Jährigen waren es sogar 32 %. Über 500€ geben Menstruierende pro Jahr für Periodenprodukte und Schmerzmittel aus.
Periode nicht zuverlässig planbar
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) lassen sich Periodenblutungen nicht immer zuverlässig vorhersehen, da sich die Länge des Menstruationszyklus von Person zu Person und von Zyklus zu Zyklus unterscheiden kann. Blutungen können daher auch früher oder später als erwartet einsetzen. Ausgerechnet an dem Tag hat man nicht immer selbst Periodenprodukte dabei - vor allem nicht beim ersten Mal.
Soziale Teilhabe statt Einschränkungen
Laut WHO zeigen Erfahrungen aus Schottland, dass kostenlose Periodenprodukte die Teilhabe am Alltag während der Menstruation unterstützen können. In einer Befragung gaben 70 % der Schüler*innen und Studierenden an, ihre alltäglichen Aktivitäten während der Periode besser fortsetzen zu können, da sie an ihrer Bildungseinrichtung über kostenlose Periodenprodukte verfügten.
Enttabuisierung der Menstruation
Die Periode ist keine freiwillige Entscheidung. Periodenprodukte gehören wie Toilettenpapier und Seife zur medizinisch notwendigen Grundversorgung an allen öffentlichen Einrichtungen. Sie schaffen Sicherheit und fördern den selbstverständlichen Umgang mit Menstruation.
Periodenprodukte finanzierbar
Die Kosten für Periodenprodukte sind im Verhältnis zum sozialen Nutzen überschaubar. Durch eine gezielte Bereitstellung über Spender in öffentlich zugänglichen Toiletten kann der Zugang niedrigschwellig gewährleistet und die Ausgabe zugleich bedarfsgerecht bereitgestellt werden, sowie es bereits für Toilettenpapier, Handtücher und Seife gilt.
Gesundheit statt Risiken
Die WHO schreibt in ihrem aktuellen Faktenblatt „Menstrual health“ ausdrücklich, dass Menschen, die keinen Zugang zu geeigneten Menstruationsprodukten haben oder diese nicht bezahlen können, teilweise auf Tücher, Stoffreste, Papier oder andere Gegenstände zurückgreifen. Hinzu kommt das sogenannte Toxische Schocksyndrom, das auftreten und lebensbedrohlich bei zu langer Tragedauer von Tampons sein kann - eine Folge von Periodenarmut.
Wirklich für alle
Nicht alle Frauen menstruieren und nicht alle Menstruierenden sind Frauen – auch trans, nicht-binäre und geschlechtsneutrale Personen können menstruieren. Umso wichtiger ist es, dass in allen Waschräumen auf allen Toiletten Spender angebracht werden.
Aufklärung als begleitende Maßnahme
Bedenken hinsichtlich einer unsachgemäßen Verwendung sprechen nicht gegen die kostenlose Bereitstellung, sondern für begleitende Aufklärung. Informationen zu Anwendung, Hygiene und Entsorgung – etwa durch Unterricht, Plakate oder Flyer – fördern einen verantwortungsvollen Umgang und einen selbstverständlichen Umgang mit Menstruation.
Gesenkte Steuern heben Preise an
Die finanzielle Entlastung durch die Mehrwertsteuersenkung auf 7% hielt nur kurz. Eine Auswertung von ifo Institut beschreibt, dass die Preise für Slipeinlagen gleichzeitig gestiegen sind. Die Idee Menstruierende finanziell zu entlasten ist damit ins Leere gelaufen. Ein kostenloser Zugang zu Periodenprodukten in öffentlichen Einrichtungen stellt dagegen unmittelbar sicher, dass Menschen unabhängig von ihrem Einkommen Zugang zu notwendigen Produkten haben.
Das sagen die Bundesländer
Anmerkung
Bei den Parteipositionen gibt es „dafür“ oder „dagegen“, wenn sich das durch einen konkreten Antrag, Beschluss oder eine Parteiaussage belegen lässt. Sonst steht „keine eindeutige Position“.
Legende
🟢 dafür – konkrete Forderung/Unterstützung belegt
🔴 dagegen – konkrete Ablehnung belegt
⚪ keine Angabe – Partei hat bei einer konkreten Befragung keine Position angegeben
🟡 keine eindeutige Position – keine belastbare konkrete Aussage gefunden
| Bundesland | Stand zur kostenlosen Bereitstellung | SPD | CDU/CSU | Grüne | FDP | Linke | AfD | BSW | Sonstige |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Keine flächendeckende Landesregelung | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | – | 🟡 |
| Bayern | Keine landesweite Regelung; einzelne Projekte | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – | 🟡 FW |
| Berlin | Pilotprojekt in 5 öffentlichen WC-Centern | 🟢 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | – | – |
| Brandenburg | Politische Forderung, aber keine flächendeckende Umsetzung | 🟢 | 🔴 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🔴 | ⚪ | – |
| Bremen | Kostenlose Produkte u. a. in Stadtbibliotheken | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – | – |
| Hamburg | Pilotprojekt; Ausweitung auf weitere Schulen | 🟢 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | – | – |
| Hessen | Keine landesweite Regelung | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – | – |
| Mecklenburg-Vorpommern | Keine landesweite Regelung | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – | – |
| Niedersachsen | Keine Landesregelung; kommunale Initiativen | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – | 🟡 |
| Nordrhein-Westfalen | Politische Diskussion; keine landesweite Pflicht | 🟡 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – | – |
| Rheinland-Pfalz | Politische Forderungen und Modellprojekte | 🟢 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | – | – |
| Saarland | Keine landesweite Regelung | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – | – |
| Sachsen | Keine landesweite Regelung | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – |
| Sachsen-Anhalt | Politische Diskussion; keine flächendeckende Umsetzung | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | – |
| Schleswig-Holstein | Politische Beschlüsse/Forderungen; keine flächendeckende Umsetzung | 🟢 | 🟢 | 🟢 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | – | 🟢 SSW |
| Thüringen | Forderungen aus Jugendlandtag; keine allgemeine Landesregelung | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟡 | 🟢 | 🟡 | – | – |
Auf der Karte von agora gibt es deutschlandweit bereits eingetragene Orte, die Spender angebracht haben, egal, ob öffentliche Einrichtung oder Café. Ebenfalls kannst du dort selbst einen Ort eintragen, der noch nicht markiert wurde.
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